Interview geführt von Walter Kordesch,
erschienen in "Portrait" vom September 2018

Keine andere Sprache ist im Prozess ihrer Formulierung so komplex, so kostspielig und zeitaufwendig wie jene der Filme. Kann man sich mit dem Regisseur Harald Sicheritz über diese Sprache unterhalten, hat man Glück. Wie spricht Film zu uns?
Es macht wenig Sinn, sich im Kino etwas völlig anderes vorstellen zu wollen, als man auf der Leinwand sieht. Wir gehen ins Kino, um etwas diktiert zu bekommen. Und zwar von jemandem, der eine von humanistischen Sehnsüchten getragene Grundabsicht hat - das unterstelle ich Filmemacherinnen und Filmemachern jetzt einmal, als passionierter Philanthrop. Zu uns spricht aus Filmen das Idealbild eines Diktators oder einer Diktatorin, wenn man diese Männerdomäne gendern will.
Diktatoren sind im Idealfall also Filmregisseure?
Walter Benjamin hat bereits in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in seinem berühmten Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ klargemacht, dass Film in der Kunst das maximale Diktat darstellt. Das kann und wird sich nicht ändern. Wir bekommen im Kino gleichzeitig verordnet, wo wir hinzusehen haben und was wir dazu hören - und zwar unauflöslich. Das heißt, wir erleben beim Ansehen von Filmen ein höchst menschenfreundliche Form der Diktatur.
Das gehört zu den Themen, die mich immer schon beschäftigt haben - was kriegen wir im Kollektiv wie vermittelt? Im Theater und auf dem Fußballplatz sieht man dorthin, wo man hinsehen möchte. Hören tun wir alle dasselbe. Hören vereint. Deswegen wird ja auch bei Veranstaltungen, die den Leute das Gefühl der Einigkeit geben wollen, notorisch gesungen. Beim Film werden uns dazu noch die Bilder verordnet. Und zwar nicht nur die Richtung des Blicks. Jener Mensch, der Regie führt, bestimmt auch noch die Reihenfolge der Bilder, und vor allem ihre Art. Du siehst die Großaufnahme eines tränenden Auges, wenn er oder sie es beschließt. Und die weite Totale einer Klippenküste, wenn er oder sie das möchte.
Insofern ist "gründliches, umfassendes Diktat" mein Versuch einer Antwort auf die Frage "Wie spricht Film zu uns." Jetzt könnte man für dieses Diktat eine moralische Verantwortung derjenigen, die Filme machen, einfordern. Das ist bekanntlich schon bei Menschen im Alltag nicht leicht. In der Kunst ist es meines Erachtens nicht einmal zulässig. Für die meisten Filmschaffenden, mich eingeschlossen, reicht es aus, wenn man die Wirkung, die man gern erzielen möchte, tatsächlich erzielt. Dabei ist ein Umstand besonders entscheidend: selbst wenn man in der Kunst mit einem maximalen Diktat arbeitet, gibt es hohen Streuverlust. Und der ist höher, qualitativ ganz anders und viel sympathischer als der Streuverlust des Diktats in der Politik. Es gibt viel weniger Kollateralschaden als Kollateralbenefit.
Jede Regisseurin, jeder Regisseur erlebt das Phänomen, dass einem die Zuschauer erzählen, was man mit dem Film sagen wollte. Sie erzählen auch der Hauptdarstellerin, wer sie war. Den Leuten hinter der Kamera, warum sie was getan haben. Das ist wunderbar. Weil es zeigt, wie komplex wir die Wirklichkeit wahrnehmen. Ich halte das Betrachten von Filmen für ein faktisch stattfindendes Ereignis. Das, was einem dann als Reaktion der Betrachter entgegenschlägt, hat allerdings nur bedingt mit dem Faktischen zu tun. Es hat weniger mit den Absichten zu tun, die man als Filmemacher mit seinem Film verfolgt, sondern viel mehr mit dem, was in den Menschenköpfen aus dem Gesehenen und Gehörten zusammengebraut wird.
Das Konkrete an der Sprache im Film ist nicht das gesprochene Wort. Es ist die Bildsprache. Was für ein spannender Begriff...

Menschen, die Filme machen, stehen also zwei Möglichkeiten offen: A) Sie können dem Publikum etwas aufzwingen, ganz streng. B) Oder, sie sind darum bemüht, dem Publikum das zu geben, von dem sie annehmen, dass es dem Publikum irgendeine Form von Wert bringt, sei es ein Unterhaltungswert, oder ein aufklärerischer Wert. Wahrscheinlich gibt es da noch einige Mischformen, unter welche die meisten Regisseure wohl fallen werden, und keine oder keiner von ihnen kann sich je sicher sein, dass ihr Diktat funktionieren wird.
Das ist ja schon eine schöne Antwort, und eine gute Illustration für alles, was man beim Diktieren erlebt. Erstens, geht man davon aus, dass das Diktat funktioniert, weil man sich sonst ja gar nicht hinstellt und alles Erdenkliche dafür tut. Zweitens, wissen der aufgeklärte Diktator und die erfahrene Diktatorin, dass mit besagtem Streuverlust zu rechnen ist.
Selbst wenn wir die Rezeption mäßig gelungener, am Fließband hergestellter Fernsehproduktionen ansehen, die nur mit den wirklichen Basics, den kleinsten gemeinsamen Gefühlsnennern arbeiten, entdecken wir etwas unerwartet Tröstliches - der Streuverlust ist bei der Massenware ähnlich hoch wie bei Arthouse-Filmen.
Ich finde an allen menschlichen Unternehmungen charmant, dass ein ganz wesentliches Element davon die Behauptung ist. Es bewegt sich im Leben nichts, wenn nicht jemand aus Verzweiflung, aus Unbedachtheit, aus Naivität oder irgendeinem anderen Motiv irgendetwas behauptet und hofft, dass es sich irgendwie durchsetzen wird. Viele große Tatsachen haben als kleine Behauptungen begonnen. Wir beschreiben im Übrigen gerade, ganz nebenbei, den Gang der Weltgeschichte. In der Kunst ist das Behaupten besonders komplex, weil sie auch das große Reich des Irrationalen zu verwalten hat.
Menschen haben eine spezielle Art, ihre Wahrnehmungen zu bearbeiten. Die faktische Abbildung dessen, was ist, mischt sich mit dem, was wir gern hätten. Und das ist gut, so. Es generiert das Individuelle. Wenn wir in der Gruppe etwas erleben und danach einzeln, quasi im Verhör, danach befragt werden, entstehen bekanntlich erstaunlich unterschiedliche Berichte.
Ich habe den Verdacht, dass man das, was in der Gegenwart "Basisdemokratie" nennt, sich nicht mit Kunst vertragen kann. Weil Basisdemokratie jeder Form des Diktats per definitionem widerspricht. Mit dieser Unvereinbarkeit als Filmregisseur zurechtzukommen, ist eine durchaus spannende Aufgabe. Es braucht eine gut getarnte gespaltene Persönlichkeit. Prinzipiell versucht man hoffentlich, ein respektvoller, sozialer Mensch zu sein. Aber manchmal muss der Diktator aus der Kiste springen und das wichtige "Verdammt nochmal, ich habe hier meine Geschichte zu erzählen" verkünden.
"Erzählen" ist ein Hauptkapitel zum Thema "Sprache im Film". Die Grammatik, mit der wir im Film sprechen können, hat zwei Dimensionen. Die eine ist, dass man beim Betrachter Assoziationen weckt. Die zweite kommt aus dem Narrativen. Es hat eine Grundstruktur, die durchaus komplex sein kann, dafür aber weltumspannend ist. In jeder Weltgegend werden Geschichten erzählt, mit welchen Mitteln auch immer.
Daher ist das Narrativ die mächtigere Dimension der Filmgrammatik. Wir haben alle ein Grundbedürfnis nach Erzählungen. Wir brauchen immer wieder Begegnungen mit dem fiktionalen und Narrativen. Sie helfen uns, mit dem umzugehen, was wir faktisch erleben.
Film hat beim "Sprechen" den Vorteil des Diktats. Jemanden vor ein Gemälde zu stellen und nach seinen Eindrücken zu befragen, hat den höheren Streuverlust der individuellen Assoziation. Auch beim Lesen eines Buches sind die Bilder, die dabei entstehen, ausschließlich jene des Lesers und der Leserin.  
Als wir ganz, ganz klein waren und uns Geschichten vorgelesen wurden, wollten wir, dass die uns jedes Mal gleich erzählt werden. Kann in diesem Bedürfnis, dass sich nichts ändert, obwohl wir scheinbar gescheiter und älter werden, der Grund dafür liegen, dass wir auch das 25. James-Bond-Abenteuer ansehen?
Weil die Geschichte, der Film, etwas ganz Besonderes anspielt, in uns. Und wir wie Junkies sind, die den ersten, unbeschreiblichen Flash noch einmal erleben wollen. Und das, obwohl wir vermuten können, dass es wahrscheinlich nie wieder so erstaunlich und bewegend, so gut wie bei ersten Mal sein wird. Trotzdem gehen wir hin, weil wir die Hoffnung auf das Unwahrscheinliche nicht aufgeben wollen oder können. Weil solche Aussichten einfach zu trostlos wären. Das kann man ja auch unabhängig von Filmreihen sehen. Deshalb geht man ja immer und immer wieder ins Kino. Man fleht, dort ein Erlebnis zu haben, von dem man fürchtet es nie mehr finden zu können.
Sie beschreiben die Kraft eines wirklich archaischen Narratives. Das wir immer wieder erfahren wollen und für den Seelenfrieden brauchen. Insofern ist Ihr Kinobeispiel ein absolut treffendes. Würde man sich eingestehen, dass James-Bond-Filme ein zutiefst menschliches Bedürfnis befriedigen, wären die Urteile darüber vielleicht nicht milder, aber präziser. Stattdessen verdrängen wir unsere kindliche Sehnsucht nach der zuverlässigen Geschichte.
Wir versuchen andere Teile unseres Gehirnes wichtig zu machen. Wie gebildet bin ich, was habe ich schon alles erlebt, wie gut kann ich damit umgehen – typische Reflexionen von Erwachsenen. In Wahrheit haben wir, wie Kinder, Sehnsucht nach einem Diktat, nach einem Sprachdiktat.
Das erklärt für mich auch, warum Film als die jüngste der klassischen Künste eine solche Popularität erlangen konnte, in vergleichsweise kurzer Zeit. Weil wir diese Sehnsucht nach dem Zuverlässigen haben - wenn man jetzt einmal das Wort "Diktat" durch "zuverlässig" ersetzt.
Nur mit hoher Sophistikation kommen wir auf die Idee zu sagen: "Ich würde jetzt lieber einen in assoziativ montierten Bildern erzählten Essay anschauen." Was etwas Großartiges sein kann, sich aber zwangsweise an ein kleineres Publikum richtet.
Was zu der Frage führt: "Welche Sprache spreche ich?" Sie beantwortet sich aus dem großen Feld "Wem will ich überhaupt etwas erzählen?"
Ich will möglichst vielen Leuten etwas erzählen. Es ist ein gutes Gefühl zu erleben, dass Menschen deine Geschichte, deine Erzählweise mögen. Der Weg zu diesem Erlebnis führt allerdings durch ein Labyrinth mit vielen Sackgassen. Weil Stimmungen, Erwartungshaltungen sich ständig ändern und nicht vorhersehbar sind. Sonst könnten sich ja profitsüchtige Schlaumeier hinsetzen und den absolut wirksamen Filmen berechnen. Dass das nicht geht, beruhigt mich. Und ich hoffe, nicht nur mich. Ansonsten wären wir noch hoffnungsloser in den Fängen des Kapitals.
Es gibt zwar eine Dramaturgie, die gelehrt wird und vielfach erprobt ist - drei Akte, Anfang, Mittelteil, Schluss. Dennoch kann man Erfolg oder eine intendierte Rezeption nicht berechnen.
Ihre Diagnose ist richtig. Was Aristoteles seinerzeit abgeliefert hat, ist auch die Basis aller digitalen Dramaturgie-Programme. In der Kunst wird interpretiert, experimentiert, gepflegt und vergewaltigt – aber nicht erfunden.
Ich zähle mich zu den Menschen, die bei jeder kreativen Entscheidung gern das Gefühl haben, sich von etwas Bekanntem und Verstandenem zu entfernen. Das heißt, wenn ich ein Grundprinzip von Dramaturgie verinnerlicht habe, fällt es mir leichter, darauf zu pfeifen – "Wir haben jetzt keine Drei-Akt-Struktur, so what?" Es ist absolut in Ordnung, ein Drehbuch auf Plot Points und Mid Point zu überprüfen, um sie anschließend bewusst nicht zu perfektionieren.
Das erinnert mich an die schöne Beispiel des Malers Piet Mondrian, der ab 1920 für seine geometrisch abstrakten Bilder berühmt war und zu seinen Schülern sagte: "Moment, Freunde, Aktzeichnen muss man schon können." Ich würde mich zu seiner Denk- und Gefühlsschule zählen.
Sie haben gesagt, es wird nichts erfunden in der Kunst, und ich stimme zu. Wenn etwas anders wird, wenn etwas Neues hinzukommt, dann ist es immer eine Entwicklung. Alles steht auf den Schultern von dem, was schon da ist.
Ein gutes Seitenthema – "das Plagiat in der Kunst". Der Diebstahl von Ideen verlangt für mich im Urteil immer eine zeitliche und/oder räumliche Begrenzung. Alles andere ist als Interpretation zu qualifizieren. Wäre dem nicht so, hätten wir genau zwei Blues-Songs – einen im 6/8 und einen im 4/4 Takt. Man kann heute auch schwer sagen: "Dieser Film plagiiert Fritz Lang." Da lägen zu viele Filter der Ideengeschichte der Welt darüber.
Es wird nichts erfunden. Es wird etwas gelebt und bearbeitet. Das ist das Unverzichtbare an der Kunst. Wir brauchen sie schon deshalb ganz dringend, weil wir das faktische Leben sonst nicht ertragen könnten. Würden wir morgens erwachen und die Welt digital, nur Fakten registrierend, erfahren, wären wir bereits zu Mittag an Langeweile verendet. Was darauf hinweist, dass wir alle permanent das Erlebte ins analoge Reich der Gefühle übertragen.
Wichtig dabei ist unser Umgang mit Information versus Redundanz. Selbst ein Mensch mit bescheiden ausgeführtem Gehirn kann Redundanz empfinden. Und das wahrscheinlich viel schneller als eine Person mit deutlich mehr Synapsen. Weil ja im bescheidenen Gehirn auch die Speicher, in denen das rein Faktische abgelegt wird, geringe Kapazität haben. Daher entsteht dort ganz schnell der Eindruck "Kenn ich schon". Erst vom höher gerüsteten Gehirn kommt ein "Ja, das ist zwar ähnlich, aber doch anders".
Tendenziell will der erwachsene Mensch – im Widerspruch zur kindlichen Sehnsucht nach dem Zuverlässigen - Redundanzen vermeiden. Weil wir gern etwas Neues erfahren möchten. Weil wir im Zeitalter der Facebook-Fotos von Susis Mittagessen immer noch glauben, es ginge darum, ständig Informationen anzuhäufen. Weil wir auf "mehr ist besser" trainiert sind. Vielleicht basiert das Sammeln von Information auf einem simplen Überlebensreflex. Und die Redundanz ist unser Instrument zur Qualitätskontrolle.
Es ist ja mit dem Redundanten so: ich stehe vor einem Tisch mit 5 Torten und klatsche dem Jemand neben mir eine der Torten ins Gesicht. Das mache ich ein zweites Mal, ein drittes Mal - und "Hokuspokus", auf einmal wird es lustig. Der Wiederholung wohnt eine große, komische Kraft inne.
Genau. Sie haben gerade in das große Reich des Humors betreten, dessen Grenzen nicht bekannt sind. Wenn wir darin die schöne Provinz der Komik bereisen, können wir das Wechselspiel von Information und Redundanz erleben. Jeder Wortwitz, jeder Bilderwitz benötigt die Prämisse. Sie gibt Sicherheit und Orientierung. "Sitzen zwei alte Damen im Kaffeehaus“ ist eine brauchbare Prämisse. Dann folgt meist Redundantes – einmal, zweimal. Beim dritten Mal kommt dann etwas Unerwartetes namens "Pointe" daher. Und wir finden die Pointe auch deshalb lustig, weil sie uns von der Redundanz-Angst befreit.
Die Sprache der Komik ist bei Filmschaffenden häufig ungeliebt, weil sie klare Regeln hat. Und das Grundempfinden eher dahingeht zu denken, Regeln passten nicht zur Kunst – als einer Tochter der Freiheit. Ich sehe diesen Widerspruch nicht. In jedem Fall denke ich, dass Regeln kunstvoller vernachlässigt und umgangen werden können, wenn man sie kennt.
Vor allem Leute, die Geld in Filme investieren und Profit machen wollen, suchen permanent nach einer universellen Sprache der Komödie. Ich finde es deutlich sinnvoller, die Menschen dazu zu erziehen, sich mit den Eigenheiten von Humor und Komik anderer Länder und Regionen anzufreunden. Dabei wird man weniger xenophob und entdeckt noch dazu schöne Varianten zu universellen Themen.
Liegt in seiner Stadt die sprichwörtliche Bananenschale auf dem Gehsteig, sagt der Wiener schon von Weitem "Ui, da wird's uns wieder aufhauen." Vielleicht lebe ich auch deshalb so gern hier.
Sehr österreichisch.
Das permanente Relativieren ist eine Leistung, die sich die Österreicher über Jahrhunderte in einer Art Fitnesstraining mit hohem Leidensanteil beigebracht haben. Und es ist nach wie vor sprachimmanent. Der von mir hochgeschätzte Fußball-Experte Herbert Prohaska kommentierte das misslungene erste Spiel der Nationalmannschaft bei der letzten EM unvergesslich so: "Wenn man es positiv sehen will, könnte man sagen, wir haben Pech gehabt."
So wie der Kellner, der fragt: "Was hätten'S denn gern g’habt?"
Ja. Auch das relativiert die Situation.  Der Kellner bringt damit zum Ausdruck, dass es A) vielleicht gar nichts zu essen gibt; B) der Gast vielleicht nicht kriegt, was er bestellt; und C) alles Mögliche geschehen kann, von dem man noch nichts weiß. Nicht zu unterschätzen daran ist die kleinhöfische Hinterhältigkeit. Kommt der Hausmeister und sagt: "Gnädiger Herr, es wäre wegen der Miete." Soll heißen: "Du bezahlst jetzt."
Wenn ich klein bin und mich schlecht wehren kann, und das trifft jetzt auf die meisten Menschen zu, schaue ich mir gern einen Film mit Bud Spencer und Terence Hill an. Weil ich weiß, dass die Bösen dort vertrimmt werden. Die Geschichte wird nie wirklich grausam sein, und ich werde lachen können. Bei Arthouse-Filmen, die sich mehr oder weniger bewusst der schlichten Rezeption entziehen, klappt das nicht, soll auch gar nicht funktionieren. Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Filme bieten insofern das Gleiche, als das Publikum in beiden Fällen das bekommt, was es sich erwartet. Auch, wenn die Genauigkeit dessen, was erwartet wird, natürlich unterschiedlich ist.
Ich möchte darauf mit einem Zitat antworten, das mir schon früh mein Leben als Filmemacher erklärt hat. Das mir hilft, manche Beurteilungen meiner – und auch anderer – Werke als prätentiös zu entlarven. Raymond Chandler hat nicht nur der internationalen Filmsprache "das Coole" geschenkt. Er hat auch "eine Form des Snobismus, welche die Unterhaltungsliteratur der Vergangenheit, aber nur die Aufklärungsliteratur der Gegenwart akzeptieren kann" angeprangert.
Aufgeklärte, humanistische Bildung ist das Wertvollste, das man im Leben erlangen kann. Bildung ist die wirksamste Waffe im Existenzkampf. Davon bin ich überzeugt. Ich mag nur die Klassifizierung der Bildungsinhalte in "Information ist hui" und "Redundanz ist pfui" gar nicht. Genau diese Haltung wird uns aber schon in der Kindheit eingeimpft. Da haben sich religiöse Institutionen aller Glaubensrichtungen über die Jahrhunderte hinweg besonders hervorgetan. Aber, nicht nur diese. Im deutschsprachigen Raum stößt man immer wieder auf die Bollwerke des Bildungsbürgertums und auf die selbsternannten Gralshüter dessen, wofür sie - und nur sie - künstlerischen Wert behaupten. Von diesen Bollwerken und diesen Hütern müssen wir uns und die Sprache unserer Filme befreien.