Tatort - Ausgelöscht
HS:
"Mein zweiter Tatort war zugleich der zweite mit Adele Neuhauser als Chef-Ermittler Moritz Eisners Assistentin Bibi Fellner. Der bewährte Profi Harald Krassnitzer und seine neue Partnerin hatten die Medien schon beim ersten gemeinsamen Erscheinen dazu gebracht, dem Ösi-Duo sofort Kult-Status zuzusprechen. Die Latte lag also hoch - für Drehbuchautor Uli Brée, mein Team und mich. Mit dem Glück der Unerschrockenen haben wir immerhin Top-Quoten in Deutschland und Österreich sowie Nominierungen für den Adolf-Grimme-Preis und den deutschen Regiepreis Metropolis geschafft. Anstelle einer Inhaltsangabe gibt's diesmal eine Auswahl von Pressestimmen. Die Begeisterung für den Film wächst sichtlich mit der Distanz zu seinem Entstehungsort ..."

"Bibi, lass das Ballern!" (gekürzt)
von Christian Buß, erschienen in "Der Spiegel" vom 27.5.2011

Ärger mit den Leberwerten, Petting mit dem Zuhälterfreund - keine Frage, dem Wiener "Tatort" hätte nichts Besseres passieren können als der Neuzugang Adele Neuhauser in der Rolle der Bibi Fellner. Alkoholkrank, zur Hilfspolizistin degradiert und mit schwierigen sozialen Kontakten ausgestattet, ist Fellner nicht gerade das Paradebeispiel einer vorbildlichen Ermittlerin.
Aber wahrscheinlich konnte nur ein Charakter wie sie den von Harald Krassnitzer gespielten Inspektor Eisner aus der ehrwürdigen Starre herausreißen, in die er in über zehn Jahren Einsatz geraten ist. Düster wie die kleinen Schwarzen, die er ein wenig zu oft und zu feierlich während seiner Einsätze trank, blickte er in die Welt, die ihm eh nur eine einzige Zumutung war.

An Kaffeepausen ist seit Bibis Erscheinen nicht mehr zu denken, jetzt ist immer was los im österreichischen "Tatort". Seit sie in der letzten Folge aufgetaucht ist, hat der Krimi ein anderes Tempo und eine andere Tonlage, einen neuen, tragikomischen Drive, durch den sich schwarzer Humor und ernsthafte Milieubesichtigung durchaus zusammenbringen lassen.

In der aktuellen Folge "Ausgelöscht" (Regie: Harald Sicheritz, Buch: Uli Brée) wird die Handlung um Machenschaften der bulgarischen Mafia bei allem düsteren Witz geschickt am Laufen gehalten. Sicher, tiefe Einblicke in das organisierte Verbrechen Osteuropas und seine Verknüpfungen nach Österreich werden nicht geboten; im Lauf der Geschichte werden aber geschickt einige doppelte Böden geöffnet. Die beiden Polizisten, so viel sei verraten, stehen am Ende nicht wirklich grandios da.

Ermittler auf Entzug: ein guter Dreh, dem Krimi einen schönen, nervösen Vibe zu geben. Wer braucht da noch die vielen kleinen Schwarzen.

"Spiel mir das Lied vom Tod auf dem Balkan" (gekürzt)
von Edo Reents, erschienen in der "FAZ" vom 29.5.2011

Die Ermittler haben es mit bulgarischen Machenschaften und einer bulgarischen Sonderermittlerin zu tun, denn von Wien bis zum Balkan ist es nicht weit: Der ORF-Tatort „Ausgelöscht“ ist ein mitreißend-erstklassiger Mafiathriller.
Das grundverschiedene Ermittlerpaar Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser läuft mit seinen gegenseitigen Hinterfotzigkeiten so geschmiert, dass man sich ungehindert der Thriller- und Actionhandlung widmen kann, die in dieser Wiener Episode außerordentliches Format entwickelt.

Manchmal denkt man an Michael Mann oder David Fincher, und selbst wem dieser Vergleich zu hoch gegriffen ist, wird zugeben, dass Tempo und Timing stimmen. Und man muss das Geschehen vielleicht auch gar nicht auf allen Ebenen durchschauen, um einen Eindruck davon zu bekommen, was aus einem solchen Format herauszuholen ist, wenn Buch (Uli Brée) und Regie (Harald Sicheritz) die nötige Entschlossenheit und den Mut aufbringen, sich an internationale Standards zu halten.

In der "Bild-Zeitung" vom 30.5.2011

Der Wiener "Tatort“ wird Kult: Millionen sahen gestern, wie Adele Neuhauser als "Bibi“ Fellner (auf Alkohol-Entzug!) und Harald Krassnitzer als Chefinspektor Eisner (auf Diät!) eine Mafia-Bande jagten - mit Pistole, Witz und einer Portion Wahnsinn.

In "Der Standard" vom 31.5.2011

Immerhin, spannend war's ja.