Freispiel
Robert Brenneis wäre gern Rockmusiker geworden. Heute ist er Musiklehrer. Der Unterschied ist fatal und zeigt schlimme Folgewirkung auf die Lebenslust. Was einmal wie die Zukunft ausgesehen hat, ist längst nur noch Schmäh von gestern. Der Job nervt, die Familie nervt und der Urlaub an der Adria nervt auch. Spaß macht eigentlich nur noch die Gitarrensammlung, als Spiegel des Selbstmitleids.
Pokorny hat es geschafft. Der füllt sämtliche Bierzelte zwischen München, Wien und Bad Gastein. Der singt – zum Wohle seines Bankkontos, zur Freude seines Egos – genau das, was die Leute hören wollen. Stimmung statt Protest.
Pokorny ist ein Freund aus alten Tagen. Einer, der früher wie Brenneis war und heute anders ist. Pokorny ist ein Star. Und Brenneis will eigentlich immer noch einer werden. Zu alt für Rock’n Roll – zu jung zum Sterben.
So ein Dilemma bringt hochgradiges Hirnsausen. Zumindest solang, bis der Brenneis den Freund von früher trifft. Die Nacht ist halbstark, enthusiastisch, erst versoffen, dann ernüchternd. Am nächsten Morgen hat der Brenneis begriffen: auch erfolgreiche Menschen können als Verlierer enden. Umgekehrt gilt der Satz natürlich auch.
Musikalische Midlife Crisis oder: das Leben als ein Gitarrensolo, das keiner hören will. Freispiel gehört zu den Komödien, wo der Witz kein lautes Lachen braucht, um wirksam sein. Ein satirischer Querschnitt durch die Werte einer aufgeklärten Gesellschaft, der sich über die Austropop-Szene ebenso lustig macht wie über die Lebensnöte des liberalen Mittelstandes, über Wiens wehleidige Kreative und so weiter und so fort.

HS: "Mein zweiter Spielfilm. Es gibt einen klugen Satz über zweite Filme: Für den ersten hast du ein Leben lang Zeit, für den zweiten bestenfalls zwei Jahre. Alfred Dorfer und ich wollten nicht mit ähnlichen Stilmitteln arbeiten wie bei Muttertag. In Freispiel geht’s darum, dass man mit der Welt mehr bewirkt als gegen sie. Das Milieu war mir, als langjährigem Rockmusikanten, besonders reizvoll."