Wanted
Die österreichische Seele ist ein weites Land. Das weiß man seit Schnitzler. Aber dass sich darin auch Cowboys und Indianer, Kopfgeldjäger, Bankräuber, Klavierspieler, Bardamen, Saloon-Schönheiten, Wanderprediger und sonstige Versatzstücke des Wilden Westens tummeln können, weiß man erst seit Wanted.
Die wahren Western sind im Kopf. Die Prärie kann kein Ort, sondern nur ein Zustand sein. Ein Unfallchirurg lässt sich freiwillig ins Irrenhaus einweisen, weil er lieber im Kopf als Cowboy durch die Gegend reitet, Frauen rettet und in Duellen seinen Mann steht, anstatt sich im wirklichen Leben überlegen zu müssen, warum ihn seine Frau verlassen hat und wieso die letzte Operation schief gelaufen ist. "Realitätsflucht" nennt man das. Soll in der modernen Welt gar nicht mal so selten sein.
So ein Irrenhaus ist sehr bequem, denkt unser Realitätsflüchtling und bringt den zuständigen Psychiater durch Zynismus und Desinteresse mühelos zur Verzweiflung. Und wenn’s einmal doch unangenehm wird: Augen zu und ab in den Wilden Westen.
Schade nur, dass die Idylle gestört wird. Es taucht nämlich ein Priester auf. Alarmiert von den besorgten Eltern soll der geistliche Herr (den im Übrigen selbst genug Probleme zwicken) den Traumtänzer in die Realität zurückholen. Pfarrer Hermann ist ein Jugendfreund unseres Helden. Das erleichtert zwar den Einstieg, hilft aber letztlich auch nicht weiter. Kopfreisen ist nämlich eine ansteckende Krankheit. Und gefährlich obendrein. Denn wer in der Phantasie stolpert, kann im Leben leicht stürzen.

HS: "Ich bin echt stolz darauf, dass ich einer der wenigen Österreicher bin, die einen Western gedreht haben, wenn auch einen halben. Wanted ist auch insofern ein Sonderfall, weil es der einzige meiner Filme ist, wo ich nicht am Drehbuch mitgeschrieben habe."